24.03.2020

Kommandowechsel Wohnbau 1

Kommandowechsel auf der Brücke der Wohnungsbau GmbH Sonneberg

Jörg Hessenauer tritt zum 1. April die Nachfolge von  Peter Soyer  als Geschäftsführer an

Kommandowechsel auf der Brücke der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Sonneberg: nach rund 30 Jahren übergibt Geschäftsführer Peter Soyer das Ruder in jüngere Hände an Jörg Hessenauer. Er hat künftig die Verantwortung für rund 1.700 Wohnungen, die vielen vielen Sonnebergern ein geliebtes Zuhause geworden sind, und weiteren 1.000, die für private Eigentümer verwaltet werden. Auf Peter Soyer kommt nun die Phase des Unruhestands zu. Denn wer den umtriebigen Neustadter kennt, der weiß genau: Peter Soyer ist kein Mensch für Müßiggang – weder privat noch im Beruf.

„Seine Wohnbau“ hat Peter Soyer in der heutigen Form aus der ehemaligen „Gebäudewirtschaft“ aufgebaut, wie der Volkseigene Betrieb (VEB) zu DDR-Zeiten hieß. Entstanden ist daraus in den rund 30 Jahren unter seiner Leitung ein mittelständisches Unternehmen mit 60 Beschäftigten und 9,5 Millionen Euro Jahresumsatz. Mit der Grundstücksverwertungs-Gesellschaft mbH Sonneberg (GVS) steht der Wohnungsbau GmbH Sonneberg eine Tochtergesellschaft an der Seite, die als Marktführer in der Region für das Ablesen von Heiz- und Verbrauchsdaten anzusehen ist und praktische jede Art von Dienstleistungen rund um die Immobilienwirtschaft erbringt.

Peter Soyer kam mit Mitte 30 nach Sonneberg. Noch heute wohnt und lebt er in der Partnerstadt Neustadt, wo er sich auch im Stadtrat engagiert. Seine Wiederwahl im März allein ist Garant, dass auch künftig keine Langeweile aufkommt. Denn was Soyer antreibt, ist sein steter Drang etwas zu bewegen, neue Wege zu gehen, erfinderisch zu sein und zu tüfteln. Zunächst in Bürgermeister Siegfried Feller, später dann in Sibylle Abel und jetzt in Dr. Heiko Voigt fand er Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende, die seinen Drang tatkräftig förderten, immer etwas zu bewegen. „Ich bin in all‘ den Jahren gut mit den Sonnebergern zu Rande gekommen und hatte den Eindruck, umgekehrt war es auch so“, resümiert Peter Soyer – wissend, dass er als „Wessi“ zunächst genau und durchaus kritisch beäugt wurde.

Seine ersten Jahre, die des Aufbaus, bezeichnet er dabei im persönlichen Rückblick als die spannendsten: „aufregend schön“ rutsch es ihm heraus und er spricht von einer „verrückten und wilden Zeit voller Tatendrang“. Ehrlich räumt er dazu ein: „Wir waren damals aber auch noch ziemlich ahnungslos. Das war einfach der Situation und der riesigen Herausforderung geschuldet, die wir vorfanden.“ Denn es musste oft erst geklärt werden, „wem eigentlich was gehört und vor allem, was uns gehört“. Vieles war nämlich ungeklärt. Oft war Soyer und sein Team auf sich allein gestellt und musste nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden und handeln. „Meine Messlatte waren dann der gesunde Menschenverstand und das Bauchgefühl“, erinnert sich Soyer an diese Phase, in die auch der Aufbau moderner Verwaltungsstrukturen und die Einführung von EDV im Unternehmen fiel.

Mitte der 90er Jahre kam dann die Ernüchterung in Form von mehr und mehr Bürokratie. Ohne eindeutig geklärte Eigentumsverhältnisse gab es keine Kredite und Mittel mehr für dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen. „Genau darauf haben aber unsere Mieter gewartet. Die wollten nichts von juristischen Fragen wissen, sondern haben eine modernisierte Wohnung gefordert“, so Soyer. Mehr als 800 Wohnungen waren mit unterschiedlichsten Eigentumsproblemen belastet. Auswirkungen des Einigungsvertrags, Mietrechtsreform, Altschuldenhilfegesetz und vieles mehr hemmten die weitere Entwicklung zusätzlich.

„Aber wie hätte es anders gehen sollen? Es war eben einfach so“, sagt Soyer in seiner pragmatischen Art zu diesen eingeschränkten Handlungsspielräumen damals. In Konsequenz aller gesetzlichen Vorgaben musste die Wohnbau 15 Prozent ihres Wohnungsbestands an Privat veräußern, um ihre Schulden los zu werden. Doch auf dem Markt veräußerbar waren natürlich nicht marode Plattenbauten, sondern Gebäude mit guter Bausubstanz. Und weil der Immobilienmarkt damals in den Keller gefallen war, blieb der Erlös oftmals unter Wert.

„Eigentlich wurde damals aufgrund gesetzlicher Vorgaben öffentlicher Wohnungsbestand regelrecht verramscht“, hört man dann doch einmal Kritik und Enttäuschung aus Soyers Worten. Dennoch nahm sich die Wohnbau ab Mitte der 90er Jahre – dann schon unter Leitung von Bürgermeisterin Sibylle Abel und unterstützt vom jungen Stadtbaudirektor Dr. Heiko Voigt – der Herkulesaufgabe an, dem Wolkenrasen ein komplett neues Gesicht zu geben. Ganze Wohnkomplexe wurde auf einmal saniert – zumeist im bewohnten Zustand. „Das hat vielleicht Nerven gekostet – uns genauso wie den Mietern“, so Soyer. Doch es hat sich gelohnt. Heute gibt es praktisch kein Haus mehr im Wolkenrasen, das nicht wenigstens einmal von Grund auf saniert worden ist. Und längst ist der Wolkenrasen keine Plattenbausiedlung mehr, sondern ein lebendiger, moderner Stadtteil.

Neben der Sanierung stand jedoch ab Ende der 90er Jahre im Wolkenrasen auch ein gezielter Rückbau an, der sich bis ins Jahr 2010 hinzog. Fünf große Blocks mit 370 Wohnungen hat allein die Wohnbau der Stadt zurückgebaut – dank weitsichtiger Planung kein einziger, in den vorher zur Sanierung investiert wurde. Dazu wurden 117 Wohnungen verkauft. Doch trotz alledem zählt die städtische Wohnungsbau allein im Wolkenrasen noch rund 1.100 Wohnungen ihr eigen. Weitere Schwerpunktbereiche der Wohnungsbau GmbH Sonneberg sind die „Schöne Aussicht“ sowie die Gleisdammstraße und Ernst-Moritz-Arndt-Straße.

„Und Gott sei Dank fruchten die Bemühungen der Stadtspitze immer mehr, Sonneberg zu einem attraktiven Arbeits- und Lebensort zu entwickeln“, freut sich Peter Soyer bei jedem Gang durch seine Sonneberger Wahlheimat für untertags. Der Noch-Geschäftsführer spürt inzwischen eine steigende Nachfrage am Wohnungsmarkt und hat darauf auch reagiert. Seit fünf Jahren investiert die Wohnbau wieder in neue Bauprojekte. „Unser Fokus liegt dabei auf dem barrierefreien, möglichst rollstuhlgerechten Ausbau der Wohnungen.“

Dass dies sowohl attraktiv als auch preiswert für die künftigen Mieter möglich ist, zeigt die Einweihung des Wohnblocks Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 14 vor einigen Wochen im Wolkenrasen.

Die Bilanz von Peter Soyer als Kapitän der Sonneberger Wohnungsbau GmbH kann sich somit sehen lassen. Zusammen mit der Stadtspitze hat er seinen Beitrag geleistet, dass sich das Bild von Sonneberg kräftig verändert hat, natürlich zum Positiven. Eines der augenscheinlichsten Projekte dabei ist auch das im Rückblick schönste für Soyer: der Bau der neuen Geschäftsstelle am PIKO-Platz. „Das neue Gebäude mit seinen endlich modernen, hellen Büros für die Kolleginnen und Kollegen hat uns allen das Gefühl gebracht, mit unserem Unternehmen angekommen zu sein“, beschreibt Peter Soyer das Gefühl nach dem Umzug aus der alten Spielzeugfabrik in der Cuno-Hoffmeister-Straße in die Stadtmitte. Und außerdem setzte die Wohnbau damit natürlich ein architektonisches Zeichen im Herzen der Stadt.

Den Platz auf der Brücke übernimmt nun zum 1. April – und das ist beileibe kein Aprilscherz – Jörg Hessenauer. Der 48jährige Bauingenieur aus Hildburghausen ist bereits seit zwei Jahren im Unternehmen tätig und war bisher in der Immobilienverwaltung für den technischen Gebäudeunterhalt zuständig. Mit dem neuen Titel kommt auf ihn auch viel neue Verantwortung zu, denn die Fußabdrücke, die Peter Soyer nach knapp 30 Jahren hinterlässt, sind reichlich groß. Wie auch sein Vorgänger wird Hessenauer Geschäftsführer der Wohnungsbau GmbH Sonneberg und der Tochtergesellschaft GVS Grundstücksverwertungs-Gesellschaft mbH Sonneberg.

Während für Jörg Hessenauer in nächster Zeit nunmehr wenig Zeit für Privates bleiben wird, freut sich Peter Soyer auf mehr Zeit und Freiheit für seine Hobbys. Der Bastler und Tüftler will weiter Häuser bauen, allerdings im Miniaturformat, damit sie zu seiner Modelleisenbahn passen – natürlich von PIKO und natürlich hochmodern digitalisiert. Ach ja, und vielleicht könnte er ja auch endlich ein eBike mit Wasserstoffantrieb entwickeln. Und Bücher lesen. Und mit Freunden Musik machen. Und sich hier und da neues Wissen aneignen. Und endlich mal öfter zünftig feiern. Und der Familie mehr Zeit widmen. Und mit dem Wohnwagen gleich mehrmals im Jahr durch Europa fahren. Und, und, und…

Ob der Termindruck da geringer wird, bleibt anzuzweifeln. Denn auch als Vorsitzender des grenzüberschreitenden Vereins WIR – Wirtschaft – Innovation – Region zwischen Rennsteig und Main hat Peter Soyer noch so einiges vor…

Bürgermeister Dr. Heiko Voigt und der gesamte Aufsichtsrat der Wohnungsbau GmbH Sonneberg haben ihm auf jeden Fall für den bevorstehenden neuen Lebensabschnitt von Herzen alles Gute gewünscht. Dr. Heiko Voigt: „Für die Stadt Sonneberg sage ich Peter Soyer von Herzen DANKE für fast drei Jahrzehnte partnerschaftliche Zusammenarbeit, ganz besonders auch in den schweren Aufbaujahren nach der Wende.“ Eine große Abschiedsparty gibt es nicht. Und daran ist zur Abwechslung mal nicht Corona schuld – das wollte Peter Soyer einfach nicht. So ist er halt, der Peter Soyer…

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