23.10.2019

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Mit HySON-Institut baut Sonneberg Vorreiter-Rolle in der angewandten Wasserstoffforschung für den Wirtschaftsstandort Thüringen aus
Konzept für Institutsgründung an Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee übergeben

Ein Konzept für die Gründung eines unternehmerisch tätigen Instituts zur angewandten Wasserstoffforschung haben gestern am Rande einer Tagung des Thüringer Cluster-Managements Vertreter des Fördervereins HySON an den Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, Wolfgang Tiefensee, übergeben. Mit dem Konzept will Sonneberg die Vorreiter-Rolle in der angewandten Wasserstoffforschung für den Wirtschaftsstandort Thüringen weiter ausbauen und dabei eine Brückenfunktion zwischen Initiativen im Freistaat Thüringen und in der Region Nordbayern aufbauen. Die Vertreter von HySON um 1. Vorsitzenden Bernd Hubner sowie den beiden Stellvertretern Ingenieur Dr. Joachim Löffler und Dr. Ulrich Palzer sowie Prof. Dr. Mark Jentsch von der Bauhaus-Universität Weimar knüpften dabei an Vorgespräche vom Juli dieses Jahres an. Damals hatte sich der Minister bei einem Ortstermin über die Wasserstoff-Aktivitäten im Sonneberger Land informiert und seine Unterstützung dieser Initiative grundsätzlich zugesagt.

Tiefensee bezeichnete das nunmehr ausgearbeitete Gründungskonzept als „wichtigen Baustein in der Wasserstoff-Strategie des Landes“und verwies darauf, dass Thüringen seine Initiativen in diesem Bereich weiter verstärken wolle. Das Gründungskonzept wird nunmehr vom Ministerium fachlich geprüft und soll im Rahmen der Möglichkeiten auch von der Landesregierung unterstützt werden.

Bereit in den Jahren 2014/15 hat sich in Sonneberg ein Akteurs-Netzwerk Wasserstoff entwickelt; im Mittelpunkt stehen dabei die Firma Kumatec Hydrogen GmbH aus Neuhaus Schierschnitz, der kommunale Zweckverband Wasserwerke Sonneberg sowie die Stadt Sonneberg. Um diesen Nukleus fanden sich schnell im Rahmen eines aktiven bottom up-Prozesses weitere Partner, die Wissen, Erfahrung und Forschertrieb in Sachen Wasserstoff zu einer Zeit bündelten, als diese Zukunftstechnologie noch eine absolute Außenseiterrolle einnahm.

Schnell stellten die handelnden Personen fest, dass im Bereich der Grundlagenforschung auf sehr gute Vorarbeiten aufgebaut werden kann und andere Stellen über bessere Voraussetzungen verfügen. Somit konzentrierte sich das Sonneberger Aktionsbündnis von Anfang an auf die Anwendungsforschung von Wasserstoff-Technologie, um die vorhandenen Ressourcen optimal einzusetzen und ein bestmögliches Verhältnis von Aufwand und Ertrag sicherzustellen.

In Konsequenz wurde mit großem Erfolg und überregionaler Beachtung das Projekt „LocalHy“ abgewickelt. Hierbei wird ein alkalischer Druckelektrolyseur betrieben und der dabei erzeugte Wasserstoff zur Betankung von H2-Fahrzeugen sowie der Sauerstoff zur Optimierung von Klärprozessen in einer Versuchskläranlage eingesetzt. Die vielversprechenden Praxisergebnisse werden gerade einem Monitoring unterzogen. Hierbei wurden erstmals Fördermittel aus dem Bundesprogramm WIR (Wandel durch Innovation in der Region) eingesetzt und somit das Netzwerk in das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie zur Bauhaus-Universität Weimar verbreitert. Auf diesen Erfahrungen setzt das thüringenweite Folgeprojekt im Rahmen der WIR-Initiative „H2-Well“ auf, in dem das Sonneberger Netzwerk eine zentrale Rolle einnimmt. Inzwischen moderiert und konzeptionell begleitet durch die Stiftungsprofessur von Dr. Mark Jentsch an der Bauhaus-Universität Weimar, setzt jedoch auch dieser Projektansatz auf das bewährte bottom up-Prinzip aus Sonneberg.

Der Standort Sonneberg spielt bei dem Multiprojekt H2-Well aus vielerlei Hinsicht eine besondere Rolle: so beteiligt sich z.B. die Kumatec Hydrogen GmbH erneut mit zentralen Forschungsvorhaben. Und auch die private-public-partnership, die sich in Sonneberg um die Stadt Sonneberg mit Bürgermeister Dr. Heiko Voigt an der Spitze optimal ausgebildet hat, ist für den anwendungsorientierten Ansatz von H2-Well von größter Bedeutung. „Es muss uns im Sinne der Entwicklung von Geschäftsmodellen sowie dem Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten darum gehen, die vorhandenen Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff-Technologie zügig in die Breite zu bekommen“, erläutert Bernd Hubner, 1. Vorsitzender des örtlichen Fördervereins HySON.

Aber vor allem die Lage Sonnebergs an der Schnittstelle Thüringens zu Nordbayern und die sich dort aktuell unter hoher Förderung des Freistaats Bayern entwickelnde Wasserstoff-Landschaft sind wichtig für den wirtschaftlichen Betrieb eines Instituts und den Austausch aller Akteure. Das in Sonneberg geplante HySON-Institut ist somit prädestiniert als Scharnierstelle für die aufkommende Wasserstoffwirtschaft in Thüringen zu den nordbayerischen Nachbarn in der Europäischen Metropolregion Nürnberg, um die noch vorhandene Vorreiterrolle Thüringens weiter sicherzustellen.

Neben diesen besonderen Lagequalitäten und der mehrjährigen Vorerfahrung in Wasserstoffprojekten sowie der Nutzung entsprechender Förderinstrumente von Bund und Europäischer Union verspricht das außergewöhnlich starke endogene Engagement des Sonneberger Akteursnetzwerks beste Chancen, ein neues Institut zur angewandten Wasserstoffforschung erfolgreich an den Start zu bringen, ist sich HySON-Vorsitzender Bernd Hubner mit dem Sonneberger Stadtoberhaupt, Bürgermeister Dr. Heiko Voigt, einig. Denn im Gegensatz zu anderen Planungen – auch im Freistaat Thüringen - kommt die Planung hier nicht von oben und ist somit im Wesentlichen auf öffentliche Unterstützung bzw. Mittel angewiesen. In der Region Sonneberg basiert das Vorgehen auf einem erfahrenen Netzwerk vor Ort, das bereits 2018 mit der Gründung eines Fördervereins die Voraussetzungen zur Gründung eines unternehmensgetriebenen Instituts geschaffen hat und nicht zuletzt aus Eigenmitteln den Prozess bis zu dieser Stelle vorangetrieben hat.

Für die nächsten Schritte des Markthochlaufs benötigt das geplante HySON-Institut zur angewandten Wasserstoffforschung gGmbH eine temporäre Anschubförderung zur Projektarbeit für Personal- und Sachkosten. Im Sinne einer effektiven Mittelverwendung und eines optimalen Returns on Invest setzen die Sonneberger in der Anlaufphase des Instituts auf die Nutzung angemieteter Räumlichkeiten bei bewährten Netzwerkpartnern; jedoch stehen am Standort Sonneberg an zwei optimal geeigneten Standorten Flächen für mittelfristige eigene Immobilien zur Verfügung, wenn der Institutsbetrieb entsprechend angelaufen ist.

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Ein detailliertes Konzept zur Gründung eines Instituts HySON zur angewandten Wasserstoffforschung übergaben Vertreter der Sonneberger Initiative am Rande der Cluster-Tagung „Wasserstoff – Chancen und Ansätze für eine zukünftige nachhaltige und wirtschaftliche Nutzung“ an den Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, Wolfgang Tiefensee.Das Bild zeigt (von links) Ingenieur Dr. Joachim Löffler, Prof. Dr. Mark Jentsch von der Bauhaus-Universität Weimar, Dr. Ulrich Palzer, Minister Wolfgang Tiefensee und den 1. Vorsitzenden des HySON-Fördervereins Bernd Hubner. (Foto: Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft)

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