08.05.2017

Kundgebung „Sonneberg bleibt Kreisstadt" vom 08.05.2017
Rede des Bürgermeisters Dr. Heiko Voigt

Dr Heiko Voigt thumbEs gilt das gesprochene Wort!

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
unserer Kreisstadt Sonneberg und unserer Region,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Freunde unserer Kreisstadt,

Sonneberg soll ab 1. Juli 2018 nicht mehr Kreisstadt sein!

Am Dienstagabend der vorigen Woche hat uns per E-Mail die Nachricht erreicht, dass der Unsinn, der schon einige Tage vorher angekündigt wurde, nun ein Gesetz werden soll. Damit wird immer mehr zur Gewissheit, dass unsere Stadt und der Landkreis Sonneberg, dass unsere gesamte Region, dass wir alle zu den Verlierern dieser sinnlosen Aktion zählen sollen. Die Entscheidung der Landesregierung können viele Menschen nicht nachvollziehen! Wir wollen es jedoch nicht beim Kopfschütteln über diesen Unsinn belassen.

Wir sind heute hier auf dem Bahnhofsplatz, um uns gegen die Entscheidung zur Wehr zu setzen! Den Plänen der Landesregierung, die sich offensichtlich von der Realität abgekoppelt und vom Volk entfernt hat, wollen wir ein starkes Signal von Unten, von der Basis, vom Volk entgegensetzen!

Ich danke den vielen Menschen unserer Region, die unserem Aufruf gefolgt sind
und genau dieses Signal mit Leben erfüllen!
Ihnen allen deshalb ein herzliches Willkommen – ich freue mich, dass Sie mit uns gemeinsam ein „Herz für unser Sumbarch", für unser „Sumbarcher Land" zeigen!
An meiner Seite stehen Politiker, die sich für unsere Sache einsetzen.

 

Ich freue mich über die Wahnsinnskulisse: Schön, dass Ihr da seid, liebe Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Sonneberg und dem gesamten Kreisgebiet!
Willkommen, liebe Helfer des DRK und des THW – danke, dass Ihr gemeinsam unsere Veranstaltung absichert!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
die Gebietsreform der Rot-Rot-Grünen Landesregierung ist in aller Munde. Ich will auf den Inhalt nicht weiter eingehen - Unsinn wird nicht besser, wenn man ihn ständig wiederholt.
In den zurückliegenden Tagen, Wochen und Monaten wurde unendlich viel geschrieben und debattiert.
Ich kann und will hier und heute auch nicht im Detail eingehen - auf die vielen handwerklichen Fehler, auf die fehlenden Einspareffekte, auf falsche Versprechungen und auf die komplett falsche Reihenfolge im Herangehen an das, was angeblich eine Reform sein soll.

Am allermeisten schmerzt uns der Verlust des Kreissitzes für unser Sonneberg.
Diese falsche Entscheidung ist es, die uns hier auf dem Bahnhofsplatz zusammenkommen lässt.
Betonen möchte ich gleich zu Beginn, dass wir hier
FÜR UNS und nicht GEGEN UNSERE NACHBARN kämpfen!
Nicht gegen den Landkreis und die Stadt Hildburghausen oder deren Bürger.
Die 17 Thüringer Kreisstädte mit ihren Landkreisen und die 6 kreisfreien Städte
sitzen in diesen Tagen im gleichen Boot.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wir jedenfalls wollen heute sehr deutlich machen, dass Sonneberg stark ist und
dass Sonneberg als „Kreisstadt" stark bleiben muss!

Hier geht es nicht um einen bloßen Titel oder darum, mit welchen Autokennzeichen wir herumfahren. Das behauptet nur jemand, der unsere Bemühungen ins Lächerliche ziehen möchte oder der einfach nur nicht richtig Bescheid weiß. Der Kreissitz ist wichtig!

Er ist wichtig für Sonneberg, weil wir nicht wollen, dass anderswo in wichtigen Bereichen wie der Bildung, dem Gesundheitswesen oder auch dem Jugend- und Sozialbereich über unsere Köpfe hinweg entschieden wird!
Und er ist wichtig, weil bei einem Verlust ein Dominoeffekt einsetzen würde!

Sonneberg würde mit Sicherheit auch die Sparkasse, das Amtsgericht, das Finanzamt und andere Einrichtungen von Verbänden und Dienstleistern, die immer mit einem Kreissitz verbunden sind, verlieren!
Einher ginge ein regelrechter Aderlass in punkto Kaufkraft, Bedeutung und Einwohner!
Grob geschätzt reden wir von gut 1.000 Stellen.

Wer diese düstere Prognose nicht glauben möchte, sollte einfach wochentags mal durch unsere Innenstadt laufen und sich die Mitarbeiter der genannten Einrichtungen wegdenken. Wenn diese Kunden ihr Geld anderswo ausgeben, wären die Folgen für unsere Händler und Gewerbetreibenden fatal!

Wer dieser Prognose nicht glauben möchte, der soll sich ehemalige Kreisstädte
in Sachsen und Sachsen-Anhalt anschauen, der soll sich wissenschaftliche Studien durchlesen. Wer dann noch behauptet, es wird für uns keine wirtschaftlichen Folgen haben, der lässt sich von einer Ideologie leiten...oder er braucht einfach einen Arzt.

Liebe Gäste,
der Kreissitz ist aber nicht nur wichtig für die Stadt Sonneberg,
sondern auch für unsere gesamte Heimatregion – das Sonneberger Land!
Es wird doch so sein, dass der Kreistag eines Großkreises mehrheitlich von Mandatsträgern besetzt sein wird, die nicht aus dem heutigen Landkreis Sonneberg kommen und ihn daher weder kennen, noch schätzen.
Wir aus dem Sonneberger Land werden dort in der Minderheit sein! Beim „Monsterlandkreis" mit 20% und beim aktuellen Gebilde mit 33% der Gesamtbevölkerung.

Wir wollen aber nicht, dass weit weg, von Menschen, die sich hier nicht auskennen können, über unsere Schulstandorte oder über unser Krankenhaus entschieden wird!
Und wir wollen insbesondere nicht, dass sie das vom Steuerzahler aus dem Landkreis Sonneberg geschaffene Tafelsilber verantworten!
Das birgt nämlich die Gefahr, dass man kommunale Werte irgendwann einmal verschachert, um damit eigene Prestigeobjekte zu erhalten!

Es geht letztlich also um viel mehr, als um längere Behördenwege für Menschen und Unternehmen und auch um mehr, als um die Beschäftigten der Kreisverwaltung und die Kaufkraft.

Es geht auch darum, ob die über 900 Beschäftigten unserer beiden Krankenhäuser in Sonneberg und Neuhaus noch kommunal beschäftigt werden!

Es geht darum, was mit dem Deutschen Spielzeugmuseum, mit der Musikschule, mit der Volkshochschule, mit dem Sonneberger Ausbildungszentrum und mit der OVG passiert.

Es geht auch darum, ob unsere Berufsschule nicht ausgedünnt wird – denn nur mit uns als Kreissitz gibt es starke Fürsprecher für den Erhalt der SBBS in ihrer jetzigen Form!

Wenn wir all das nicht aufgeben wollen, muss Sonneberg als Kreisstadt das Zentrum der Region bleiben! Das Sonneberger Land darf nicht geschwächt werden!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
die Entwicklung von Stadt und Landkreis Sonneberg seit 1990 ist eine Erfolgsgeschichte, die in den neuen Bundesländern ihresgleichen sucht - auch dank unserer früheren engagierten Bürgermeisterin.
Wir haben nahezu Vollbeschäftigung.
Im Bereich Kindergärten, Schulen, Stadtentwicklung, Soziales, Kultur und so weiter
wurde gemeinsam sehr viel Gutes geschaffen.
Ich bin stolz, dass wir das meiste aus eigener Kraft geschaffen haben!

Außer dem kleinen Finanzamt, dem Forstamt und dem Amtsgericht haben wir keine Landesbehörde.

In vielen anderen Städten beschäftigt und bezahlt der Freistaat Thüringen tausende Menschen, er schafft dort sichere Arbeitsplätze, die gut bezahlt werden.
Wir stehen fantastisch da, auch ohne Landesbehörde, Hochschule, Landestheater oder Forschungsinstitut. Wir haben auch ohne diese Unterstützung eine der höchsten Beschäftigungsquoten in Deutschland.

Wir haben 24.000 Einwohner, für die wir viel tun. Wir sind jedoch für weit mehr Menschen in den umliegenden Gemeinden das Mittelzentrum.
Das Sonneberger Land reicht von Bachfeld bis Neuhaus-Schierschnitz;
von Mogger bis Steinach und weiter zur Rennsteigregion.

Im Ergebnis erfüllen wir für über 50.000 Menschen zentrale Funktionen!
Sonneberg bündelt für die Menschen dieser Region Arbeitsplätze, Schulen, Krankenhäuser, Ärzte, Einkaufen, Kultur, Freizeit usw.
Und der Behördenstandort gehört einfach dazu!

All dies ist maßgeblich damit verknüpft, dass wir den Status einer Kreisstadt haben!

Sollte unsere ohnehin sehr geringe Ausstattung mit Verwaltungsfunktionen noch durch die Wegnahme der Kreisverwaltung weiter geschmälert werden, so ist dies mit einem nachhaltigen Schaden für die Entwicklung der gesamten Region verbunden.

Solch leichtfertiges Handeln, ohne erkennbare Notwendigkeiten, unterbricht unsere höchst erfolgreiche Wirtschafts- und Strukturentwicklung – und zwar mit derzeit nicht abschätzbaren Folgen für unsere Kommunen und ihre Menschen.

Das was man in Erfurt „Reform" nennt, ist ein Frontalangriff auf wirtschaftliche Grundlagen unserer Region.

Liebe Bürgerinnen und Bürger aus dem Sonneberger Land,
wer sich an Arbeitstagen auf den Straßen unserer Stadt umsieht, wird jede Menge Autokennzeichen aus Hildburghausen, Suhl und auch aus Coburg, Lichtenfels und Kronach erkennen.
Das ist so, weil Sonneberg mehr Einpendler aus Auspendler hat!
Es wäre daher geradezu widersinnig, dass man in punkto Behördengänge die Menschen zum Auspendeln zwingt!

Wir sind eine tragende Säule eines starken länderübergreifenden Wirtschaftsraums!
Gleichzeitig ist es eine Mähr', dass wir unsere Arbeitslosenquote nur der Nähe zu Bayern verdanken! Wir selbst sind die dynamischste Wirtschaftsregion Thüringens!

Unser Sonneberg ist deshalb DIE LOKOMOTIVE für unsere Region und ihre Nachbarn. Davon profitiert der gesamte Südthüringer Raum und damit letztlich der gesamte Freistaat Thüringen. Wenn man aber die Lokomotive abhängt, dann muss man sich nicht wundern, wenn es nicht mehr vorwärts geht!

Wir wollen weiter die Lokomotive unserer Region sein!
Und dazu gehört der Kreissitz – ohne Wenn und Aber!

Wir nehmen deshalb gerne die benachbarten Thüringer Regionen auf, die ohnehin zu uns pendeln! Von unserer Ausstrahlung sollen sie profitieren.

Genau dieser Mechanismus ist im Thüringer Landesentwicklungsplan
festgeschrieben und verankert: Wir sind Brückenbauer vom erfolgreichen Freistaat Bayern zum - bis jetzt noch - aufstrebenden Freistaat Thüringen!
Wir Sonneberger stärken den gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum
vom Rennsteig bis zum Main maßgeblich mit!
Diesen Schwung gilt es für Thüringen mitzunehmen und in den Freistaat Thüringen hineinzutragen.

Das aber geht nur, wenn Sonneberg in genau diesem Prozess als Kreisstadt und Mitglied der Europäischen Metropolregion Nürnberg weiter der Katalysator und Beschleuniger bleibt!

Starke und gut funktionierende zentrale Orte wie die Stadt Sonneberg dürfen nicht
ihrer außerordentlichen Funktion als Impulsgeber beraubt werden.
Auf keinen Fall darf man die bestrafen, die sich gut entwickelt haben.
In einem größeren Kreisgebiet muss Sonneberg Kreisstadt bleiben!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ich bin von Natur aus und von Berufs wegen ein nach vorne gewandter Mensch.
Aber ein Blick auf die Geschichte ist mir in der aktuellen Situation besonders wichtig.

Seit bald 150 Jahren – nämlich seit 1868 – sind wir Kreisstadt. Und seit Jahrhunderten zuvor Verwaltungssitz mit Gerichtsbarkeit und weiteren Funktionen für unser Umland. Diese zentralen Funktionen will man uns nehmen!

Damit versetzt man unserem Sonneberg wiederum „von außen" einen schmerzhaften Schlag, der uns schadet und jede Menge Aufbauarbeit der vergangenen Jahre zerstört. Damit würde sich Geschichte auf unsägliche Weise wiederholen.

Einst war unser Sonneberg Weltspielwarenstadt. Doch die Kriege und die Weltpolitik
der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben uns massiv geschadet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren wir mit weit über 30.000 Einwohnern noch immer die größte Stadt im heutigen Südthüringen.
Vor allem aber waren wir das wirtschaftliche Zentrum südlich des Rennsteigs!

So hatten nicht nur namhafte Unternehmen, sondern auch die IHK ihren Sitz in Sonneberg. Doch allein aufgrund unserer Nähe zur innerdeutschen Grenze durfte und konnte Sonneberg im Namen der SED-Führung nicht Bezirksstadt sein!
Von 1961 bis 1972 verbannte man unsere Stadt gar in das absolute Sperrgebiet!
Diese Entscheidungen gegen unser Sonneberg hatten weitreichende Folgen, die bis heute nachwirken!

Übrigens – im Jahr 1919 – ist das Sonneberger Land freiwillig und ohne Volksabstimmung dem neu gegründeten Freistaat Thüringen beigetreten und hat ihm somit erst die Existenz in der heutigen Form ermöglicht.

Und genau dieses Thüringen lässt nun gut 100 Jahre später jegliche Wertschätzung vermissen und will uns durch die Wegnahme des Kreissitzes wiederholt von oben herab schwächen! Das darf nicht sein!

Gegen diese unrühmliche Wiederholung der Geschichte wehren wir uns entschieden!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Sonnebergerinnen und Sonneberger,
unser Sumbarch muss die Kreisstadt Sonneberg bleiben!
Insofern ist das Jahr 2017 einmal mehr eine Zeit der Patrioten!
Beim Blick in unsere Runde kommen mir die Bilder von 1993/94 in den Sinn.
Auch damals haben wir an gleicher Stelle für unsere Interessen auf der Straße gestanden. Und damals haben Sie es geschafft – Erfurt musste einlenken!

Lasst uns auch dieses Mal für unsere Heimat kämpfen!
Unsere Stadt hat es verdient, auch in Zukunft Kreisstadt zu bleiben!
Vielen Dank an Sie alle, die heute Flagge für unser Sonneberg zeigen!

Mir zeichns dannerna in Erfurt – mir kämpfn für unner Sumbarch!

pdf Rede des Bürgermeisters Dr. Heiko Voigt

 

 

 

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