20.12.2016

Bürgermeister im Schulterschluss mit den Unternehmern

Dr Heiko Voigt thumbSonnebergs Bürgermeister im Schulterschluss mit den Unternehmern gegen Südthüringer Großkreis: „Kammern sind für die Belange der Region und ihrer Basis da und keine Erfüllungsgehilfen für Großkreise"

Im Artikel vom 15. Dezember 2016 auf der Titelseite von „Freies Wort" „Gebietsreform: Wirtschaft für Großkreis im Osten" wird darüber berichtet, dass Vertreter der Thüringer Wirtschaft sowie der Bundesagentur für Arbeit eine eigene Karte für künftige Kommunal-Strukturen vorgelegt habe. In diesem Entwurf würden die drei Thüringer Handwerkskammern, die drei Industrie- und Handelskammern im Freistaat sowie die für Thüringen zuständige Regionaldirektion der Arbeitsagentur wie auch die Landesregierung dafür plädieren, das Land demnächst in acht Landkreise und zwei kreisfreie Städte - Erfurt und Jena - aufzugliedern. Es war zu lesen: „Die Vorstellungen der Wirtschaftsvertreter entsprechen damit in weiten Teilen dem Vorschlag der Landesregierung. Besonders die Bildung eines Großkreises in Südthüringen - bestehend aus den heutigen Gebietskörperschaften Suhl, Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg, begrüßten die Kammervertreter." Dazu habe es bei den Unternehmen im Land "sofortige Zustimmung" gegeben, wird der Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt, Gerald Grusser zitiert. Dem widersprachen Sonneberger Unternehmer in einer Veröffentlichung von Freies Wort, Ausgabe Sonneberg vom 17.12.2016, Seite 9 unter der Überschrift „Unternehmer fühlen sich übergangen".
Mit Verständnis und Sympathie reagiert Bürgermeister Dr. Voigt auf die Initiativen von vielen Unternehmen, wie z. B. Orthopädiehaus Blaschke, Glückauf Dachdecker GmbH, Dieter Stegner & Enrico Stötzer GbR, Udo Truckenbrodt, die sich gegen die Position der Thüringer Wirtschaftskammern für Großkreise auszusprechen.
Offensichtlich entfremden sich einige Kammervertreter zunehmend von ihrer Basis. Dies wird in Großkreisen vermutlich an der Tagesordnung stehen, denn dann wird auch die Nähe zum Bürger und zum Unternehmer schwinden - mit noch unbekannten Folgen. Nicht nur für die Stadtverwaltung Sonneberg sollten die Worte des ehemaligen Sonneberger Kammerpräsidenten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen Wilhelm Salzmann dagegen maßgebend sein, findet der Bürgermeister Dr. Voigt und formuliert: „Die Unternehmer müssen Mut zeigen und die unerschütterliche Überzeugung ihrer Leistungskraft in die Waagschale werfen. Die Kammer darf nie vergessen, dass sie als Mittler der Unternehmer untereinander, aber auch als Mittler von Wirtschaft und Politik in hohem Maße verantwortlich ist. Wir erwarten, dass sich die IHK und Handwerkskammer künftig mehr für die Belange der Region stark machen, statt sich als Erfüllungsgehilfe für Großkreise zu profilieren".


Wenn man um die Rolle Sonnebergs bei der Gründung der ersten rechtlich anerkannten Wirtschaftskammer (in Thüringen) vor 150 Jahren weiß, dann wird man diese Förderung nur zu gut verstehen. Einstige Versprechen des Staates Thüringen hat man vergessen oder man wollte sich nicht daran erinnern, sonst hätte Sonneberg seine IHK behalten.
In diesem Zusammenhang muss auf besondere historische Fakten und deren Auswirkungen auf die Entwicklung in Sonneberg gelenkt werden. Der Beitritt des Sonneberger Landes - Teil des Freistaates Sachsen-Meinigen - zum Freistaat Thüringen 1919/1920 war maßgeblich abhängig von der Zusage Thüringens zum Bestand und Sitz der Südthüringer IHK in Sonneberg. Während sich die Coburger per Volksentscheid 1919 für Bayern entscheiden konnten, wurden die Sonneberger nicht gefragt. Die Repräsentanten vertrauten auf die Zusagen Thüringens.
„Sollten wir nicht aus unserer Geschichte lernen, jetzt wo sogar unser Kreissitz auf dem Spiel steht? Während Coburg auf die Einhaltung seiner Verträge mit dem Freistaat Bayern weiterhin vertrauen und seine Zukunft gestalten kann, ist dies bei Thüringen zweifelhaft. Erinnern wir uns, was der Kreisstadt Neuhaus a. Rennweg alles beim Wegfall des Kreissitzes versprochen wurde. Was ist heute davon übrig geblieben?" hinterfragt Dr. Heiko Voigt.
In einem Großkreis ohne Sonneberg als Kreisstadt und Verwaltungssitz wird die wirtschaftlich starke Region massiv an Mitsprache und Bedeutung verlieren. Neben den Verlust an Arbeitsplätzen und Kaufkraft wird die Zukunftsfähigkeit der Sonneberger Industrie, des Handels, der Dienstleistung und des Handwerks nachhaltig entzogen.

„Die Stadt Sonneberg steht eng an der Seite ihrer Unternehmern bei der Verteidigung des regionalen Wohlstandes und der zentralen Funktion Sonnebergs als Wirtschaftsmotor und Drehscheibe innerhalb Thüringens und Frankens" resümiert der Bürgermeister. Die Entfernung nach Suhl und den anderen Standorten Südthüringens ist beispielhaft - ein bestehendes geografisches Hindernis in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. „Was soll aus dieser Region nach einem geplanten Anschluss in diese Richtung werden? Keiner mag sich das gegenwärtig ausmalen wollen", so Dr. Voigt weiter.

 

 

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