12.02.2016

Gemeinsame Erklärung

von Landrätin Christine Zitzmann und Bürgermeisterin Sibylle Abel
zur Demonstration vom 31. Januar 2016 in Sonneberg
gegen die geplante Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates Thüringen
im Sonneberger Wolkenrasen

Erklärung ThumbMit Erschrecken mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass rechtsextreme Kräfte aus nah und fern im Zuge der Demonstration vom 31. Januar die nachvollziehbaren Sorgen unserer Bevölkerung missbraucht haben, um losgelöst von der eigentlichen Problematik pauschal gegen Flüchtlinge zu hetzen. Von dieser Instrumentalisierung der gegenwärtigen Diskussion durch rechtsextreme Gruppierungen distanzieren wir uns entschieden! Den Feinden von Demokratie und Toleranz dürfen wir uns trotz aller Sorgen nicht anschließen!

Seit Jahren bekennen sich der Landkreis und die Stadt Sonneberg in breiter Form zu Vielfalt, Demokratie und Menschlichkeit. Wir fördern diese Werte in zahlreichen Projekten und leben sie in der breiten Hilfe für die uns zugewiesenen Flüchtlinge vor. Im Wissen um unsere humanitäre Verantwortung haben wir bisher rund 1.000 Flüchtlinge im Landkreis Sonneberg untergebracht. Neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Verwaltung kümmern sich auch zahlreiche Ehrenamtliche um sie, wofür wir sehr dankbar sind.

Ungeachtet unserer Verantwortung für Flüchtlinge bleiben wir in sachlicher Abwägung dabei, dass der Standort einer Erstaufnahmeeinrichtung dieser Dimension in direkter Nähe von Schulen, Kindergärten und Wohnhäusern von über 5.000 Mitmenschen nicht geeignet ist. Hinsichtlich der Sicherheitsrisiken hat das Land bisher keine zufriedenstellenden Konzepte vorgelegt. Insofern haben wir nach wie vor größtes Verständnis für all jene, die im Wolkenrasen leben und deren Kinder hier die Schule oder den Kindergarten besuchen. Für Ihre Interessen treten wir weiter ein!

Mit unserer Einschätzung richten wir uns keinesfalls gegen Flüchtlinge an sich, sondern gegen die konkreten Umstände dieser spezifischen Einrichtung.

Uns sorgt und bewegt sehr, dass das Thema auch aufgrund der Demonstration vom 31. Januar zunehmend an Sachlichkeit verliert. Nicht Ideologien, sondern die echten Probleme und Sorgen der Menschen vor Ort müssen ernst genommen werden und das Handeln der zuständigen Stellen bestimmen.

Wir appellieren daher an alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises und der Stadt Sonneberg, zur Sachlichkeit zurückzukehren und sich gleichzeitig nicht von den Parolen rechtsextremer Gruppierungen blenden zu lassen. Die Geschichte lehrt uns, zu was dies führen kann.

Sonneberg, 12. Februar 2016

Christine Zitzmann                                 Sibylle Abel
Landrätin des Landkreises Sonneberg         Bürgermeisterin der Stadt Sonneberg

 

  

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