13.10.2020

H2 Region Thüringen/Franken (Industriegebiet Süd)

Chance für Sonnebergs Zukunft

Das geplante Gewerbe- und Industriegebiet „H2-Region Thüringen/Franken“ sorgt in der Stadt für viel Gesprächsstoff, aber auch für reichlich Spekulationen. Viele Fragen werden am Frühstückstisch oder an den Stammtischen diskutiert.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Fakten zum geplanten Gewerbe- und Industriegebiet zusammengestellt und Bürgermeister Dr. Heiko Voigt um seine Antworten gebeten.

Industriegebiet Süd

Braucht Sonneberg neue Industrieflächen?

Ja, Sonneberg braucht neue Flächen. Unsere Stadt hat eine starke Wirtschaft mit bundesweit überdurchschnittlich vielen Beschäftigten in der Industrie. Deswegen sind unsere Gewerbegebiete ausgelastet und haben kaum frei verkaufbare Flächen mehr, auf denen sich Betriebe ansiedeln können. Für die letzten noch vorhandenen Flächen von etwa 2 Hektar gibt es gleich mehrere Bewerber.

Wir müssen der Wirtschaft Angebote unterbreiten, sowohl für Firmen, die durch Strukturwandel Flächen brauchen, als auch für Interessenten, die sich neu in unserem Wirtschaftsraum ansiedeln möchten. Gelingt uns dies nicht, suchen sie sich einen anderen Standort. Dann gehen in unserer Stadt Arbeitsplätze verloren, Familien ziehen weg und Sonneberg verliert an Attraktivität. Das kann niemand ernsthaft wollen.

 

Es gibt doch genügend alte Flächen zum Beispiel am Langen Weg, das EIO-Gelände oder am ehemaligen HERKO - Standort in der Altstadt – vernichtet Sonneberg nun wertvolle Flächen?

Beides trifft nicht zu. Die wenigen sogenannten Altflächen sind in Privateigentum und befinden sich in der Regel inmitten von Wohnbebauung. Zum Beispiel die Fläche am Langen Weg ist eine solche Privatfläche in der Nähe von Wohnhäusern und daher bislang nicht vermarktet. Ähnlich verhält es sich mit dem EIO – Gelände, es ist im Besitz einer Unternehmerfamilie aus Irland. Das ehemalige HERKO - Gelände gehört zwar der LEG und der Stadt Sonneberg, es eignet sich aber aus heutiger Sicht nicht mehr für eine gewerbliche Nutzung, weil es relativ große Höhenunterschiede aufweist und Wohngebäude unmittelbar angrenzen.

 

Warum möchte die Stadt Sonneberg ein Industriegebiet ausgerechnet zwischen Unterlind und Heubisch realisieren?

Aufgrund des gesetzlichen Entwicklungsgebotes darf die Stadt Sonneberg nur dort Planungen vornehmen, die durch den Thüringer Gesetzgeber im Landesentwicklungsplan und daran anknüpfend im Regionalplan ermöglicht werden.

Zwischen Heubisch und Unterlind befinden sich die einzigen Flächen in der Stadt, auf denen dies möglich ist. Alle anderen sind entweder viel zu nahe an der Wohnbebauung, wie z.B. am Wolkenrasen, oder sie sind sogenannte Vorranggebiete für die Landwirtschaft, wie z.B. am Gewerbegebiet Sonneberg-Malmerz südwestlich des Langen Weges, südlich von Unterlind oder südlich des Gewerbegebietes Hönbach. Andere Flächen dagegen sind wiederum dem Hochwasserschutz vorbehalten, wie z.B. gegenüber von MANN und HUMMEL, oder dem Naturschutz in der Nähe des Grünen Bandes. Eine kleine Fläche wird noch im Bereich der Ziegeleiteiche Rottmarer Straße für eine gewerbliche Nutzung geprüft, wobei die Geeignetheit noch nicht feststeht. Wer sich einmal den Flächennutzungsplan der Stadt Sonneberg auf unserer Homepage oder im Rathaus angesehen hat, wird genau das bestätigt bekommen.

Das Industriegebiet zwischen Unterlind und Heubisch ist keine „Erfindung“ der letzten Monate. Konkrete Abstimmungen erfolgten schon vor mehr als 10 Jahren mit den ersten Gesprächen zwischen der Stadt Sonneberg und der Gemeinde Föritz über die Entwicklung eines Industriegebietes. Zuvor erfolgten im Landesentwicklungsplan 2004 und später im Regionalplan 2012 die entsprechenden Festlegungen. In den Aufstellungsverfahren der beiden Planungen wurden alle Betroffenen angehört und deren Hinweise und Bedenken abgefragt. Alle angesprochenen Belange, z.B. der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Siedlungsentwicklung wurden geprüft und abgewogen. Es entstand ein Vorranggebiet, ausschließlich für die gewerbliche Entwicklung in unserer Region, in dem alle anderen Nutzungen nachgeordnet sind. Als Ausgleich wurden dafür rund um Sonneberg umfangreich Flächen für die Landwirtschaft als Vorranggebiet geschützt, so das anderweitige Entwicklungsflächen tatsächlich in einem nennenswerten Umfang nicht zur Verfügung stehen. Leider wird das heute in den aktuellen Diskussionen allzu gerne verschwiegen.

 

Wird die Landwirtschaft sofort von der Fläche verdrängt?

Nein, das Gebiet soll schrittweise erschlossen werden, je nach Bedarf. In der Zwischenzeit können die Flächen von der Landwirtschaft genutzt werden. Bis das gesamte Gebiet erschlossen und bebaut ist, werden Jahrzehnte vergehen.

 

Gibt es Interessenten und vielleicht Ideen, was im künftigen Industrie- und Gewerbegebiet entstehen soll?

Ja, es gibt Interessenten für das Gebiet, obwohl wir bisher keine Werbung dafür gemacht haben. Es fragen sowohl Betriebe an, die sich dringend erweitern müssen, als auch Betriebe, die sich neu in Sonneberg ansiedeln wollen. In der Summe liegen uns heute schon Anfragen nach etwa 8 Hektar Gewerbeflächen vor.

Ein weiterer Aspekt wird noch viel zu wenig beachtet. Unsere Wirtschaft befindet sich derzeit in einer ihrer größten Krisen. Sie steht vor einem Strukturwandel, der fast mit der Situation unmittelbar nach der Wende zu vergleichen ist. Hervorgerufen durch die Probleme der Automobilindustrie, für die viele Beschäftigte in unserer Region arbeiten, angetrieben durch die sogenannte Energiewende und verstärkt durch die Corona- Epidemie werden viele Betriebe gezwungen sein, sich neu zu orientieren. Auch werden neue Betriebe entstehen und vielleicht alte aufgeben müssen. Zukunftstechnologien, wie zum Beispiel die Wasserstofftechnologie -für deren Durchbruch wir seit langem kämpfen- erobern den Markt. Genau zu dieser Zeit müssen Entwicklungsflächen angeboten werden, um die wirtschaftlichen Grundlagen in unserer Region und damit Arbeitsplätze für die Menschen zu sichern. Wenn wir zukunftsweisende Technologien und gute Chancen für unsere Wirtschaft wollen, dann müssen wir dafür auch Raum geben, dann brauchen wir das neue Gebiet.

 

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